![]() |
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Künstlerhaus: stiller Ort der WahrheitDas Duo Christian Hof und Kamil Dakowicz will bei einer Ausstellung mit dem Publikum in intensiven Dialog treten Kempten - Hin und wieder kommt es vor, dass Besucher einer Kunstausstellung sich mit den Werken überfordert fühlen, gerne einen Ansprechpartner hätten, oder einfach mit dem Künstler in Diskussion treten möchten. Auf der anderen Seite steht derjenige, der seine Arbeiten präsentiert und der sehr interessiert daran ist, wie diese auf den Betrachter wirken. Weil es oft nicht zu einer regen Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien kommt, überraschen nun Christian Hof und Kamil Dakowicz mit einem neuen Konzept. Unter dem Motto "allemüssendraußenbleiben" laden die beiden Artisten offiziell alle Interessierten zur Eröffnung am kommenden Freitag um 20 Uhr ins Kemptener Künstlerhaus (Beethovenstrasse) ein. Denn einzig am Abend des 3. November ist die Ausstellung in voller Breite zu sehen. Anschließend versperren sie die Türen und lassen nur sehr schmale Gucklöcher offen, durch die man in die beleuchteten Räume blicken kann. "Uns ist es wichtig, dass eine gewisse Distanz zu den Kunstwerken geschaffen wird, wie eine Art Schutzzone", betont der Kemptener Christian Hof und sagt: "Der eigentliche Prozess zwischen Künstler und Publikum findet meist an der so genannten Vernissage statt. Danach verbleiben die Werke - wie alleine gelassen - zurück und weder erfährt man wie das Publikum darauf reagiert, noch kann ein Gespräch darüber entstehen. Deshalb laden wir bewusst zur Eröffnung ein." Der 37-jährige Mathematiker, Musiker, Künstler und Mitinhaber einer Firma hat sich im weitesten Sinne mit dem Aspekt der Standortbestimmungen im Informationszeitalter auseinander gesetzt. In seiner Schau präsentiert er Computerarbeiten, Installationen und Drucke. "Architektur des Alltags" nennt er eine seine Werkreihen und zeigt auf seriell angelegten Grundrissplänen den immer wiederkehrenden Ablauf im menschlichen Leben. Einen nächsten Schritt vollzieht er mit der Suche nach Lebensinhalten. Streng strukturiert und ästhetisch aufbereitete Anfahrt-Skizzen führen den Betrachter zu stillen Orten, die mit Begriffen wie Glück, Ehrlichkeit und Wahrheit neue Spielräume eröffnen sollen. Kamil Dakowicz studiert in Stuttgart an der Akademie für bildende Künste und stellt Linolschnitte, Zeichnungen und Drucke aus. Der 1976 in Polen geborene Künstler packt die Problematik "Alltag Heute" von einer anderen Seite an. Vertraute Gegenstände werden ihres Sinnes beraubt, bekommen eine neue Bestimmung und nehmen eine bedrohliche Ausstrahlung an. Erst auf den zweiten Blick erkennbar, wird eine gemütliche Straßenbahn zum Bombenträger und der Krieg wütet plötzlich mitten im Wohnzimmer. Die Ausstellung "allemüssendraußenbleiben" im Kemptener Künstlerhaus dauert bis 30. November und ist durch die "Gucklöcher" täglich von 10-20 Uhr geöffnet, Sonntags von 12-18 Uhr. Eröffnung: 3. November (20 Uhr). [01.11.06, Anna Köhl, AZ] Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||