|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Was ist Kunst?Aktionsprojekt - Christian Hof eröffnet sein «Amt für Kunstvermittlung» und steht Besuchern fünf Tage lang für Gespräche zur Verfügung Was ist Kunst? Eine riesige, aufgehängte alte Plane mit einem Riss, betitelt mit «das war nicht ich, das war schon so (und der titel stammt auch nicht von mir)»? Ein weißes Standregal? Der Möbelkundige wird es sogleich als Ikea-Produkt identifizieren, wobei ein Regalwürfelboden mit dem Spruch «unglücklich sein kann ich auch alleine» und einer Unterschrift versehen ist. Oder 15 nebeneinander gehängte Feuermelder («feuerprobe , inneneinsatz»), jeder mit einem anderen «Kunst»-Titel beschriftet (Kunstbanause, Kunstbetrieb, Kunstdruck, Kunstfehler usw.). Ist das Kunst? In der Kemptener Kunsthalle kann man diese und andere Objekte ab Montag sehen - und über Kunst reden. Benötigen Sie Hilfe? «Kunstvermittler» Christian Hof - hier vor seiner Installation «Seitenblicke» - will in der Kunsthalle Kempten die Besucher anregen, über Kunst nachzudenken. Der Kemptener Christian Hof bespielt den Raum mit neuen und einigen älteren Werken und tritt fünf Tage lang als «Kunstvermittler». Noch einmal: Was ist Kunst? Was will sie? Wie sieht sie aus? Eckig oder rund, rosafarben oder schwarz? Ist sie emotional oder rational? Einzigartig oder ein Massenprodukt? Funktional oder ästhetisch? Oder einfach nur überflüssig? Diese und mehr Fragen treiben Christian Hof um. «Solchen Fragen muss man sich stellen, und man muss die Angst davor verlieren, dass es vielleicht keine Antworten gibt», sagt Hof, der hauptberuflich als Softwareentwickler arbeitet und regelmäßig als Musiker und Künstler auftritt. Sachbearbeiter zeichnet ab «Kunstvermittlung - Abteilung: Bildbearbeitung» nennt er sein eigenwilliges und provokatives Ausstellungsprojekt in der Kunsthalle. In der Mitte hat Hof ein Büro installiert, das «Amt für Kunstvermittlung». Zu den Öffnungszeiten tritt er als «Sachbearbeiter» auf, sitzt an seinem Schreibtisch umgeben von vier Arbeiten anderer Künstler, die sich mit den Themen Bürokratie, Information, Kommunikation beschäftigen. In einem Bücherregal finden sich Kunst-Lexika. Sofern gewünscht, können Besucher für eine Bearbeitungsgebühr von 10 Euro einen Fragebogen ausfüllen und ihre persönliche Vorstellung eines Kunstwerks konkretisieren. Am Ende zeichnet Hof, der für Gespräche zur Verfügung steht, als Sachbearbeiter das DIN-A3-Formular ab. «Die Aktion ist ein Happening und das Formular ein Unikat», so Hof. Auf Wunsch signiert er auch seine im Live-In-Veranstaltungmagazin abgedruckte Fotografie «Angewandte Philosophie Lektion 1: Auch du bist». Natürlich sei dieses Büro auch eine Art Spaß, sagt Hof. Doch postwendend wird er wieder ernst. Denn als Künstler will er aufrütteln, zum Nachdenken anregen, zum Diskutieren. Und so hofft er auf viele «gute Gespräche» mit Ausstellungsbesuchern. [13.06.09, Michael Dumler, AZ] |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||