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2010
[19.02.10] Plagiatsvorwürfe haben in letzter Zeit Hochkonjunktur: Facebook verklagte StudiVZ, Rapper Bushido wurde von einer französischen Band wegen strittiger Urheberrechtsfragen angegangen und Nachwuchsautorin Helene Hegemann musste jüngst Stellung zu ihren Quellen beziehen - spektakuläre Fälle, deren Aufklärung von überregionalem Interesse ist. Was aber macht man, wenn Ideen in der regionalen Kunstszene kollidieren? Im Rahmen der 61. Großen Schwäbischen Kunstausstellung 2009/10, die vom 28.11. bis 06.01.2010 in der Toskanischen Säulenhalle im Zeughaus Augsburg stattgefunden hat, wurde von Rüdiger Heinze in der Augsburger Allgemeinen in seinem Artikel "Die erschlaffte Antike" auf überdeutliche Anlehnungen mancher Werke hingewiesen: "So mancher Teilnehmer wandelt in den Spuren vorangeschrittener, namhafter Kunst-Kollegen. Man könnte ein Suchspiel veranstalten, welche Werke etwa in Folge von Rothko, [...] und den Brüdern Chapman entstanden." [AA, 28.11.09]
Wie soll nun nachträglich mit solch einer peinlichen Situation verfahren werden? Nicht einmal der kompetenten Jury war die Analogie bekannt, obwohl das in Graz und auch nahe Mainz präsentierte Werk international für Aufsehen gesorgt hat und nicht jeder kann wie der international bekannte Künstler Jeppe Hein einen Kunsthistoriker und einen Kulturwissen- schaftler anstellen, die im Vorfeld zu dessen Ideen akribisch recherchieren. Steht aber nicht jeder moderne Künstler in der Pflicht, gerade bei der Umsetzung von Konzepten wirklich nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben? Oder spielen Urheberrechtsfragen bei Kunstausstellungen abseits der schillernden Metropolen eher eine untergeordnete Rolle? Sicher nicht. Die renommierte Künstlerin Cornelia Sollfrank beschäftigt sich bereits seit 2006 in ihrem Ausstellungsprojekt "This Is Not By Me" mit solchen Fragen. Im Video "I Don't Know" manipuliert sie ein Andy Warhol Interview zur Erlaubnis, ihn kopieren zu dürfen. Die Ausstellung des Videos samt juristischer Reflektionen zusammen mit offenkundigen Plagiaten von Warhols "Flowers" wurde in Basel wegen der Befürchtung urheberrechtlicher Konsequenzen untersagt. Wie dringend diese Fragen in der Bildenden Kunst umfassend diskutiert werden müssen zeigt auch der Umstand, dass Veronika Dreier durch den Blog-Eintrag eines aufmerksamen BBK-Mitgliedes bei der Google-Kontrolle ihres eigenen Namens auf das "Rasenstück" gestoßen ist. Die Begegnung mit ihrer bereits über 15 Jahre alten Idee hat sie nicht begeistert. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||